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Die Weiße Siedlung
Stadträumliche Situation / Baustruktur
Das QM-Gebiet Weiße Siedlung Dammweg liegt im Norden des Bezirks Neukölln und gehört zum statistischen Gebiet "Köllnische Heide". Die Siedlung erstreckt sich - von einem ausgedehnten Band von Kleingartensiedlungen begrenzt - bis an die Grenze zum Bezirk Treptow-Köpenick im Osten und bis zur Sonnenallee im Westen. Begrenzt wird sie durch die Aronsstraße (Norden), Dieselstraße (Osten), den Dammweg (Süden) und die Sonnenallee (Westen).
Das Quartier ist geprägt durch zwei gegenläufige Gebäudebänder mit bis zu achtzehngeschossigen Häusern, die deutlich aus dem sonstigen Stadtgefüge herausragen und deren helle Farbgebung namensgebend für die gesamte Siedlung wurde. Durch die Siedlung ziehen sich zahlreiche Grün- und Freiflächen, die teilweise mit Spiel- oder Bolzplätzen ausgestattet sind. Allerdings sind sie in einem wenig attraktiven Zustand und teilweise stark sanierungsbedürftig. Das Gebiet selbst ist durch eine sehr homogene Bau- und Nutzungsstruktur geprägt, da es ausschließlich aus Wohnkomplexen besteht. Angrenzend befinden sich jedoch Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Einzelhandelsnutzungen. Über den Bezirk hinaus bekannt ist vor allem das Hotel Estrel, das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Siedlung liegt.
Wohnen und Wohnungsmarkt
Die Weiße Siedlung ist als sozialer Wohnungsbau in den 1970er Jahren entstanden und verfügt über 1.678 Wohnungen. Der gesamte Wohnungsbestand gehörte bis Mitte 2006 zur Berliner Wohn- und Geschäftshaus GmbH (BeWoGe), einer Tochter der wbm-Gruppe. Zum 1. September 2006 wurde die Siedlung an die Brandenburg international limited 5 sarl verkauft und seitdem werden die Wohnungen von der Gestrim, einer Tochter der DIM (Deutsche Immobilien Management GmbH) verwaltet. Der Eigentümer, ein internationales Konsortium, mit Sitz in Luxemburg, wird vor Ort von der Beraterfirma Shore Capital vertreten, die auch als Ansprechpartner für das Quartiersmanagement fungiert.
Das Spektrum des Wohnungsangebotes der Weißen Siedlung reicht von 1- bis 7-Zimmer-Wohnungen unterschiedlicher Größe. Die Nettokaltmieten bei Neuvermietungen betragen aktuell 6 Euro/m², ansonsten liegen sie bei durchschnittlich 5,50 Euro. Der Eigentümer hat in den vergangenen Jahren die kalten Betriebskosten durch Einsparungen gesenkt. Der ehemalige Hausmeisterservice wurde durch die Reinigungsfirma Klüh ersetzt. Anstelle der Müllabwurfanlagen wurden punktuell Müllplätze im Quartier eingerichtet. Laufende Kosten für die Instandhaltung der Spielplätze wurden fast komplett gestrichen. Die Sach- und Haftpflichtversicherung wurde angepasst. Die erste Mieterhöhung im Jahr 2008 konnte damit fast ausgeglichen werden. Hinzu kommt jedoch, dass die Mieten Mitte 2009 abermals um 25 Cent/m² angehoben wurden. Folge ist, dass sich zahlreiche Bewohner bereits nach kostengünstigeren Wohnalternativen umsehen (müssen), weil die Wohnkosten zum Teil über den Bemessungsgrenzen für ALG II liegen. Um das Sicherheitsempfinden für die Bewohnerschaft zu verbessern, hat der Eigentümer im Jahr 2007 eine Kiezstreife installiert.
Der Leerstand in der Siedlung ist im Vergleich zum Vorjahr von ca. 7,6 % auf 2 % reduziert worden. Die Fluktuation in der Siedlung ist laut Vermietungsbüro stabil geblieben, jedoch nach wie vor vergleichsweise hoch. Wohnungen und Gebäude weisen bis heute einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Schlecht vermietbare Wohnungen werden punktuell und notdürftig modernisiert. Allerdings klagen insbesondere Altmieter, die seit über zehn Jahren im Quartier wohnen, über den schlechten Zustand ihrer Wohnungen. Künftig gilt es, die Altmieter noch mehr zu unterstützen. Die Neuvermietungen wirken sich immer deutlicher auf die Bewohnerstruktur aus.
Bewohnerstruktur
Im Gebiet Weiße Siedlung Dammweg leben 3.727 Einwohner. Damit sind die Einwohnerzahlen verglichen zum Vorjahr weiter gestiegen. Wesentliche Ursache dafür ist sicherlich, die Reduzierung des hohen Leerstands durch Neuvermietungen.
Der Ausländeranteil ist mit 31,2 % sehr hoch und liegt weit über dem Berliner (13 %) und Neuköllner Durchschnitt (22,6 %). Ausländer mit türkischem Pass (53,5 % aller Ausländer) bilden dabei die größte ausländische Bevölkerungsgruppe. Auffallend ist, dass sich der Anteil der Ausländer aus dem ehemaligen Jugoslawien in einem Jahr verdoppelt hat.
Rund 61 % der Einwohner haben einen Migrationshintergrund, überwiegend türkisch, aber auch zahlreiche Menschen aus arabischen (meist aus dem Libanon), dem ehemaligen Jugoslawien sowie osteuropäischen und afrikanischen Ländern leben in der Siedlung. Unter ihnen sind viele junge Familien mehrheitlich mit Migrationshintergrund und häufig mit mehreren Kindern. Die verschiedenen ethnischen Gruppen bleiben zudem weitgehend unter sich.
Der Anteil der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre lag 2008 bei ca. 25,4 % der Gesamtbevölkerung. Generell lässt sich feststellen, dass sich die Alterstruktur der Bewohnerschaft in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert hat.
Kaufkraft und Schuldnerquote
Die Weiße Siedlung Dammweg hat im Vergleich der QM-Gebiete in Berlin eine sehr geringe jährliche Kaufkraft mit durchschnittlich 12.259 Euro pro Einwohner. Aufgrund der vielen Haushalte mit Transfereinkommen ist das Einkommensniveau sehr niedrig. Hinzu kommt, dass gleichzeitig der Anteil der Einwohner mit Schulden verhältnismäßig hoch ist (25 % aller Einwohner).
Beschäftigung und Qualifizierung
Der Anteil von ALG II-Empfängern lag Ende des Jahres 2008 bei 50,68 % und somit weit über dem Gesamtberliner Durchschnitt (17,19 %) sowie dem der Berliner QM-Gebiete (30,33 %).
Mit der Einführung von ALG I und ALG II hat sich die Lage für die Bewohnerinnen und Bewohner verändert, über 90 % aller Transferleistungsempfänger erhalten nun Arbeitslosengeld II. Aus Gesprächen mit Bewohnerinnen und Bewohner wissen wir, dass einige eine Beschäftigung im Rahmen von AGH/ÖBS haben. Viele Klagen gibt es im Zusammenhang mit dem Jobcenter. Vor allem das Antragsverfahren sowie Unstimmigkeiten oder Verzögerungen bei den Zahlungen belasten den Lebensalltag.
Die schlechte Situation auf dem Arbeits- und Beschäftigungsmarkt hängt eng mit dem Bildungs- und Qualifizierungsniveau zusammen. Obwohl auch für diesen Bereich keine Daten vorliegen, zeigt die Arbeit vor Ort, dass viele Menschen eher un- und angelernt sind und aufgrund ihrer Qualifikationen, aber auch aufgrund ihres Alters nach wie vor nur sehr schwer eine Arbeit finden. Bei Bewohnerinnen und Bewohnern mit Migrationshintergrund wird dies häufig durch unzureichende Sprachkenntnisse zusätzlich erschwert.
Wirtschaftsförderung und Beschäftigung
Anders als bei innerstädtischen Wohngebieten gibt es in der Weißen Siedlung wegen ihrer ausschließlichen Wohnbebauung kaum Potenziale für Angebote der Wirtschaftsförderung oder eine lokale Stadtteilökonomie. Kleine Gewerbe und Läden fehlen. Ausgenommen ist ein kleines Nahversorgungszentrum an der Sonnenallee, das durch das Neukölln-Carree seine Angebote einbüßte und nun einen Billig-Möbel- sowie Getränkemarkt beherbergt.
Schule und Kita
Im Gebiet liegt die Sonnen-Grundschule mit derzeit 285 Schülern. Sie ist seit dem Schuljahr 2005/2006 eine offene Ganztagsschule. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund liegt bei ca. 85 %. An der Grundschule gibt es eine Schulstation in Trägerschaft von AspE e.V. sowie ein Elterncafé, das erst kürzlich neu eröffnet und vom Aufbruch Neukölln e.V. initiiert wurde. Zudem befindet sich im Gebiet der Schulgarten der Carl-Legien-Oberschule mit einem Gebäude des Architekten Bruno Taut.
Die Kindertagesstätte in der Aronsstraße befindet sich seit 2006 in freier Trägerschaft des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln und liegt ebenfalls innerhalb des QM-Gebietes. Derzeit werden dort 111 Kinder im Alter von eineinhalb bis sechs Jahre betreut. Auch hier ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund mit ca. 85 % sehr hoch. Betreut werden die Kinder von 16 Erzieherinnen, wovon zehn Mitarbeiterinnen nur Teilzeit beschäftigt sind. Hinzu kommt, dass sämtliche Kitas der Köllnischen Heide überbelegt sind und keine Kinder mehr aufnehmen können. Die Warteliste in der Kita Aronsstraße ist mit etwa 80 Kindern sehr lang.
Sowohl die Schule als auch die Kita beklagen eine personelle Unterbesetzung. Viele Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Unzureichende Sprachkenntnisse, Entwicklungsdefizite unterschiedlichster Art und ein mitunter gestörtes Sozialverhalten vieler Kinder sind Ausdruck dafür und stellen die Einrichtungen vor enorme Herausforderungen. Hinzu kommt, dass drei der 25 Lehrer der Sonnen-Grundschule dauerhaft wegen Krankheit ausgefallen sind und die Anzahl der Schüler pro Klasse auf 27 erhöht wurde.
Nicht im Gebiet, aber in der Köllnischen Heide gelegen, befinden sich die Kepler-Hauptschule, die im Rahmen der Schulreform zur Sekundarschule umgewandelt wird, die Kita Hänselstraße sowie die Kita Tabea. Diese Einrichtungen sind wichtige Partner, weil sie auch von Kindern aus dem Quartier besucht werden.
Soziale und kulturelle Infrastruktur
Von zentraler Bedeutung für den Kinder- und Jugendfreizeitbereich sind die beiden bezirklichen Angebote: das Jugendzentrum Grenzallee und das Kinderclubhaus Dammweg.
Seit 2007 gibt es im Quartier zudem den Jugendtreff „Sunshine Inn“. Dort werden den Jugendlichen der Siedlung vielfältige Angebote unterbreitet. Der Treff wird seit 2009 über das Jugendamt regelfinanziert. Aus dem Programm „Soziale Stadt“ werden die verschiedenen Freizeitangebote gefördert. Träger der Einrichtung ist der Verband für sozial-kulturelle Arbeit e.V. (Outreach – Mobile Jugendarbeit Berlin). Der Fußballplatz in der Mitte der Siedlung wird regelmäßig zum Training der Jugendfußballmannschaft genutzt.
Seit April 2009 steht den Bewohnern der Weißen Siedlung der neue Nachbarschaftstreff „Sonnenblick“ zur Verfügung. Träger ist das Diakonische Werk Neukölln Oberspree e.V. Das Team der Diakonie hat bereits seit 2005 als Nachbarschaftshilfe verschiedenste Angebote für die Bewohnerschaft angeboten. Jedoch waren die Raumkapazitäten sehr begrenzt. Dass es den „Sonnenblick“ gibt, ist ganz wesentlich auch dem Engagement des Eigentümers zu verdanken, der die Räume nach Wünschen der Bewohnerschaft umgebaut hat und sie kostengünstig zur Verfügung stellt. In diesem Treff finden unter anderem Begegnung, Austausch und niedrigschwellige Beratung statt. Besonders bewährt haben sich die Frühstückstreffen, an denen türkische, arabische und deutsche Frauen zusammenkommen, um sich in gemütlicher Atmosphäre zu spezifischen Thematiken auszutauschen. Die Erstausstattung und die vielfältigen Angebote im Nachbarschaftstreff werden aus Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ gefördert.
Im Rahmen des Modellprojektes „Aufwachsen in der Köllnischen Heide“ des bezirklichen Jugendamts entstand das Mietercafé, das bis heute ehrenamtlich von einer Mieterin betrieben wird. Das Café bietet in der Regel einmal pro Woche einen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen an und veranstaltet alle zwei Wochen einen Spieleabend. Angenommen wird dieses Angebot vor allem von deutschen Bewohnerinnen und Bewohnern. Darüber hinaus betreibt die AWO in der ehemaligen Bauleiterbaracke in der Siedlung seit nunmehr über 30 Jahren einen Bewohnertreff, der fast ausschließlich von deutschen Seniorinnen und Senioren genutzt wird.
Die Volkshochschule führt Sprachkurse für „Deutsch als Fremdsprache“ in den Räumlichkeiten des Kinderclubhauses durch.
Der Beschäftigungsträger trias gGmbH bietet seit 2007 einen Begleitdienst im Quartier an und unterstützt damit Senioren und Behinderte bei Einkäufen, Arztbesuchen sowie Behördengängen. Um die Bewohner für ein sauberes Wohnumfeld zu sensibilisieren, führt das Arabische Kulturinstitut e.V. seit 2009 die Beschäftigungsmaßnahme „Umwelt aktiv“ im Gebiet durch. Zudem bietet der Beschäftigungsträger BGI verschiedene Angebote zur Bewegungs-, Gesundheits- und Bildungsförderung in den einzelnen Einrichtungen des Quartiers an.
Seit 2006 nutzt das Diakonische Werk Neukölln-Oberspree die ehemaligen Gemeinderäume der Tabea Kirchengemeinde. Hier angesiedelt sind Beratungsangebote sowie die Besondere Soziale Wohnhilfe für Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind. Im Februar 2007 eröffnete dort auch ein Carisatt-Laden, der preisgünstige Angebote des täglichen Bedarfs ausschließlich für Bedürftige bereithält. Zusätzlich bietet seit Herbst 2008 das Diakonische Werk Neukölln-Oberspree das Beratungsangebot „TOP4JOB“ an. Die Beratung richtet sich an Langzeitarbeitslose ab 25 Jahre, die den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt suchen. Das Projekt wird im Rahmen von ESF-Fördermitteln finanziert. Das Büro des Caritasverbandes e.V. in der Dieselstraße 11 bietet seit April 2009 nun nicht mehr ausschließlich berufliche- und bewerbungsrelevante Beratungen an, sondern auch allgemeine soziale Beratung. Hintergrund ist, dass damit noch mehr Bewohner erreicht werden können. Um dem zunehmenden Drogen- und Alkoholkonsum vorzubeugen, bietet die Subjektorientierte Drogen- und Suchtberatung in der Sonnenallee 278 seit Oktober 2009 eine Selbsthilfegruppe insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene der Köllnischen Heide an. Damit hat sich das Spektrum sozialer Hilfen erweitert, wenngleich es sich hier auch um gebietsübergreifende Angebote handelt. Gefördert wird dieses Modellprojekt aus Mitteln des Programms „Soziale Stadt“.
Gesundheit
Im Gebiet selbst gibt es keine Gesundheitseinrichtungen. In einiger Entfernung (Sonnenallee) gibt es ein Ärztehaus mit verschiedenen fachärztlichen Praxen.
Alltagsversorgung
In direkter Nähe zur Siedlung gibt es das vor vier Jahren eröffnete Einkaufszentrum „Neucölln Carree“ vor allem mit Waren des täglichen Bedarfs und einem kleinen Café. Insgesamt hat sich durch das Einkaufszentrum das Spektrum der Nahversorgung erweitert, allerdings sind die Wege nun etwas länger geworden. Im Bereich Sonnenallee gab es bis vor kurzem noch einen Imbiss-, Zeitungs- und einen Blumenstand. Die Angebote befanden sich am "Eingang" der Siedlung und prägten so den ersten – nicht unbedingt angenehmen - Eindruck. Vor allem der Zeitungskiosk diente vor allem Trinkern aber auch Dealern als Treffpunkt. Viele Bewohner und auch der angrenzende Jugendtreff haben sich deshalb für eine Schließung dieser Kioske eingesetzt. Nach Gesprächen mit dem BA Neukölln wurden die Pachtverträge nicht verlängert. Die drei Stände waren seit August geschlossen, wobei einer wieder geöffnet ist.












