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Kreislaufwirtschaft und Schmetterlingswiesen – ein Sonntag am Dammweg 216
Von der Straße kommend wirkt das Dammweg 216 Gelände mit dem Taut-Pavillon, den Gewächshäusern und Werkstätten an diesem Sonntagnachmittag Ende April zunächst relativ leer. Doch der erste Eindruck trügt, wie sich schnell herausstellt. Weit hinten im vielfältig genutzten und bepflanzten Garten beackert bei strahlendem Sonnenschein eine Gruppe von etwa 20 Personen die an die Weiße Siedlung angrenzende Wiese. Mit Spaten und Hacken graben sie den Boden um und lockern ihn auf.
Der Schmetterlingsgarten
Organisatorin des Projekts „Butterflies‘ Garden: an Urban Habitat for Biodiversity & Learning“ ist die aus Argentinien stammende Mercedes Ciccale. Sie ist Gründerin und Autorin des Blogs amor de polen, was so viel heißt wie „Liebe zum Blütenstaub“.
Amor de polen möchte Stadtbewohnerinnen und -bewohnern die Welt der städtischen Artenvielfalt und der Kreisläufe der Natur näherbringen und zeigen, wie wichtig es ist, unsere Städte zu Rückzugsorten für das Leben zu machen. Angeboten werden Workshops, Führungen, Gartenarbeit sowie online- und persönliche Beratung.
Im Butterflies‘ Garden auf dem Dammweg 216 geht es darum, eine Wiese zurück in einen Zustand zu versetzen, der den Bedürfnissen von Schmetterlingen entgegenkommt und diese hierher zurückholen soll. Wenn der Boden vorbereitet, also ein Teil des Grasbewuchses entfernt und Sand unter die Erde gemischt ist, werden heimische Pflanzen gesetzt.
Auf Mercedes Blog heißt es zur Anlage eines biodiversen Gartens: „Um einen Biodiversitätsgarten anzulegen, wählt man lokale Pflanzenarten aus, also Arten, die an dem Ort heimisch sind, an dem sich der Garten befindet. Einheimische Pflanzen sind solche, die aus dem Ökosystem stammen, in dem wir uns befinden, und daher an das Klima und den Boden dieses Ortes angepasst sind, sodass sie im Gegensatz zu vielen exotischen Pflanzen weniger Pflege benötigen. Da sie aus diesem Ökosystem stammen, haben sich einheimische Pflanzen zudem gemeinsam mit der lokalen Fauna entwickelt und bieten ihr Schutz und Nahrung.“
Wenn der Plan aufgeht, sollten also in naher Zukunft vermehrt Schmetterlinge am Dammweg 216 zu beobachten sein.
Kreislauf, Zucht und Anbau: Aquaponik
Ein anderes, ebenfalls ambitioniertes Projekt, findet sich im Gewächshaus. Hier betreibt der Verein SmartCityFarm seine Aquaponik-Anlage. Dabei geht es, wie es auf der Website des Vereins heißt, um „Ernährungsouveränität, Unabhängigkeit von Inflation, Unabhängigkeit von Lieferketten und lokale, urbane Produktion“ – bei geringem Wasserverbrauch und einem kleinen CO2-Fußabdruck.
Zunächst sind nur Arne Krüger und Roman Lehnhof im von der Sonne aufgeheizten Gewächshaus. Sie gehören zum Vorstand des Vereins und überwachen die Anlage. Sie begutachten Wasserproben, prüfen PH-Werte und schauen nach den Beeten.
Arne erklärt: „Nächste Woche holt David Karpfen aus einem See in Sachsen. Die setzen wir dann in die Tanks. Und zwar sortiert nach Größe. Das haben wir im letzten Jahr beim ersten Lauf der Anlage nicht bedacht. Da haben dann die größeren Fische den kleineren das Futter weggefressen.“
Im Boden des Tanks werden dann die Ausscheidungen der Fische gefiltert. Deren Urin ist ein wichtiger Faktor für die Kreislaufwirtschaft. Aus dem Ammoniak, das darin enthalten ist, wird im nächsten Becken Nitrat gewonnen. Das geschieht mit Hilfe von Bakterien, die sich in dem Behältnis in einer Vielzahl dort eingesetzter Lockenwickler einnisten – Lockenwickler deshalb, weil diese durch ihre löchrige Struktur eine sehr große Oberfläche aufweisen. Die Bakterien trennen das Ammoniak durch Verstoffwechselung in Wasser und Nitrat. Das Nitrat wird dann genutzt, um Pflanzen zu düngen, die in Hydrokulturen mit Blähton wachsen, bisher in der Hauptsache Salat und Tomaten. Gurken, die ebenfalls angebaut wurden, waren bisher noch zu klein, als dass es sich gelohnt hätte.
Das gereinigte Wasser geht zurück in den Fischtank. „Das A und O“, sagt Arne, „ist, dass das Gleichgewicht stimmt.“ Gemeint ist das Verhältnis von Fisch-, Bakterien- und Pflanzenmasse.
Wenig später kommt noch David Zehnter ins Gewächshaus. Auch er gehört zum Vorstand von SmartCityFarm, und er hat etwa fünfzehn Gäste dabei. Sie nehmen an einem VHS-Kurs teil, und David hat ihnen in einem der Veranstaltungsräume des Dammweg 216 gerade in einem Videovortrag eine Einführung in die Funktionsweise der Anlage gegeben. Jetzt führt er sie mit großer Freude live vor.
Was hier angebaut wird, wird übrigens zum einen Teil auf dem Dammweg 216 zu verschiedenen Anlässen selbst verarbeitet und verzehrt – oder es geht an den CARIsatt-Laden in der Steinbockstraße.
Der Verein SmartCityFarm trifft sich jeden zweiten Dienstag ab 16 Uhr auf dem Gelände Dammweg 216 zu einer offenen Ideenwerkstatt. Die nächsten Termine sind der 05.05. und 19.05. Bei Interesse ist eine Anmeldung erwünscht: hi[at]smartcityfarm[.]de








