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Montag, 13.04.2026

„Mediation ist eine krasse Profession!“ – das Konfliktlotsenprojekt

Seit Ende 2024 hat Anna-Lena Wünnecke im Nachbarschaftstreff „Sonnenblick“ neben ihrem sehr erfolgreichen „Kulturbrücken“-Projekt und dem „Lerncafé“ für den Träger Stephanus gGmbH auch das Projekt „Konfliktmoderation – Lernen, in der Nachbarschaft zu vermitteln“ betreut, das bis Dezember 2025 gefördert wurde.

Die Nachbarschaft friedlicher gestalten

Angelaufen ist dieses Angebot, das sich von Beginn an hohe Ziele gesetzt hat, bereits im März 2024. Bis zum Herbst 2024 gestaltete es sich jedoch schwierig, Bewohnerinnen und Bewohner sowie Aktive aus der Weißen Siedlung für das Projekt zu gewinnen.

Nach der Übernahme des Projekts von Eileen Lampert im Dezember 2024 wandte sich Anna-Lena daher erneut an Einrichtungen und ehrenamtlich Engagierten im Quartier, um das Projekt zu bewerben.

Gesucht wurden „engagierte und kommunikationsstarke Personen aus der Nachbarschaft wie auch aus den Einrichtungen aus unterschiedlichen Nationen, Kulturen und Altersgruppen, die das Potential haben, als Konfliktlots*innen zu fungieren“, wie es in der Projektbeschreibung heißt. „Dieses Projekt soll dazu beitragen, die Nachbarschaft der ‚Weißen Siedlung‘ zu einem harmonischeren und konfliktfreieren Ort zu machen, indem Streitigkeiten frühzeitig erkannt und konstruktiv gelöst werden.“

Auf Interesse stieß das Projekt unter anderem bei der Kiezinitiative, die sich gegenüber der Vermieterin und der Hausverwaltung für die Interessen der Mieterinnen und Mieter in der Dammwegsiedlung einsetzt. Auch am Dammweg 216, im Sunshine Inn, im Clubhaus Phase 2 sowie im Stadtteilzentrum Köllnische Heide „mittendrin“ bestand Interesse an den Schulungen.

Gemeinsam mit zwei weiteren Bewohnerinnen aus der Weißen Siedlung bildete sich schließlich eine Gruppe von zehn Personen, die im März und April 2025 an der insgesamt fünftägigen Schulung teilnahmen – wie so häufig bei vergleichbaren Projekten waren alle Teilnehmenden Frauen.

Lernen, reflektieren, anwenden

Durchgeführt wurden die Trainings von der Streit Entknoten GmbH unter der Leitung von Sosan Azad. Sie kennt die Siedlung selbst gut, und es gelangt ihr, die Teilnehmerinnen zu aktivieren und für Themen und Methoden der Konfliktmoderation zu begeistern.

„Die Schulungen sind richtig gut gelaufen“, berichtet Anna-Lena. „Es herrschte gegenseitiges Vertrauen, es wurde zugehört, wir haben intensiv miteinander gearbeitet und zusammen lecker gegessen.“

Inhaltlich ging es unter anderem darum, die eigene Rolle und Haltung zu reflektieren, Aufgaben von Mediator*innen im Konflikt zu verstehen sowie Aspekte wie Datenschutz und Dokumentation zu berücksichtigen. Weitere Themen waren aktives Zuhören, Fragetechniken, gewaltfreie Kommunikation, Besonderheiten der Konfliktbearbeitung im Gemeinwesen und Konfliktklärung in interkulturellen Kontexten. Auch verschiedene Arten der Konfliktvermittlung, der Praxistransfer sowie der Umgang mit Vorurteilen und Rassismus wurden behandelt.

Teilnehmerinnen äußerten sich begeistert über ihren Lernerfolg: „Ich habe meine Persönlichkeit verbessert und den Umgang mit Konflikten gelernt. Ich möchte, dass möglichst viele Bewohner*innen der Weißen Siedlung diese Chance auch bekommen können.“

„Früher war ich aufbrausend und genervt, die Schulung hat mir geholfen mich zu reflektieren und empathisch zu sein.“

Verstetigungsbemühungen

„Nach der Schulung waren alle beflügelt“, sagt Anna-Lena. Während einige Teilnehmerinnen sich wieder anderen Aufgaben zuwandten, blieb eine Kerngruppe von vier bis fünf Personen, die sich vorstellen konnte, weiterzuarbeiten und eine nachbarschaftliche Konfliktberatung aufzubauen. Einmal im Monat sollte ein Treffen stattfinden, bei dem sich die Gruppe weiterentwickeln und Beratung für die Nachbarschaft anbieten wollte. Nach den Sommerferien und einer längeren Pause wurde es jedoch zunehmend schwieriger, die Motivation aufrechtzuerhalten – zumal die Teilnehmerinnen noch andere, alltägliche Belastungen zu schultern hatten.

Um das Projekt dennoch erfolgreich abzuschließen, entschied sich die Gruppe, ihr Wissen in kleineren Workshops weiterzugeben. Gemeinsam mit Sosan Azad wurden fünf Termine umgesetzt, unter anderem beim Frauenfrühstück im Sonnenblick, beim Teammeeting der Stadtteilmütter, beim Elterncafé im Familienzentrum und fürs Team im Clubhaus Phase 2. Auch diese Workshops waren erfolgreich und boten den Teilnehmenden wertvolle Impulse für ihre Arbeit mitnehmen.

Was im Projekt jedoch letztlich nicht in ausreichendem Maße umgesetzt werden konnte, war die eigenständige Durchführung von Mediation. Anna-Lena erklärt dazu: „Mediation ist, wie eine Teilnehmerin der Schulung zutreffend formulierte, eine ‚krasse Profession‘. Die Fähigkeit zu vermitteln muss in der Regel über Jahre erlernt und vertieft werden. Auch die Praxis erfordert viel Übung. Das traut sich verständlicherweise nicht jede*r zu. Dafür konnte in einem so zeitlich begrenzten Projekt kein ausreichender Rahmen geschaffen werden..“

Ergebnisse und Ausblick

Zur weiteren Verstetigung der Projektergebnisse stehen die Konfliktlotsinnen dem QM-Team weiterhin als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.

Darüber hinaus haben sie einen Flyer erstellt, der in den Einrichtungen der Siedlung verteilt wurde. Darin geben sie ihr erarbeitetes Wissen weiter und machen auf psychosoziale Unterstützungsangebote aufmerksam.

Den Flyer gibt es hier zum Download.

 

Das Projekt „Konfliktmoderation – Lernen, in der Nachbarschaft zu vermitteln“ wurde aus dem Projektfonds des Quartiersmanagements der Dammwegsiedlung/Weiße Siedlung finanziert.

Text: H. Heiland, Bilder: Stephanus gGmbH