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    Quartiersflyer Mai 2022
    Im Mai gibt es viele Anlässe, gemeinsam zu essen und zu spielen, für Spaß und fröhliches Miteinander. Beim kleinen Fest “Willkommen im Nachbarschaftstreff Sonnenblick” am 14. Mai zum Tag der Städtebauförderung sind neben dem Nachbarschaftstreff die Stadtteilmütter, Restlos Glücklich und das QM dabei. Unter dem Motto “gemeinsam kochen, gemeinsam genießen” veranstaltet Restlos Glücklich am 25.Mai mit Unterstützung von weiteren Quartiersakteuren eine Lange Tafel für die Nachbarschaft. Das alles und viele weitere Treffs, Tipps und Termine im aktuellen Quartiersflyer, hier zum Herunterladen. [mehr]
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Freitag, 17.12.2021

Mit neuem Elan die Suchthilfe koordinieren

Seit August 2021 ist Lilli Böwe neue Koordinatorin für Suchthilfe beim Bezirksamt Neukölln. Zuvor hat die zweifache Mutter als Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin gearbeitet, unter anderem 10 Jahre lang für einen freien Träger in der Kurfürstenstraße in Berlin-Schöneberg. Dort war sie Ansprechpartnerin für Sexarbeiterinnen und drogenabhängige Frauen. Nun freut sie sich darauf, ihre Erfahrungen in Neukölln einbringen zu können und die neue Stelle mit Leben zu füllen.

Drogen im öffentlichen Raum

Neben dem Abteilungsleiter Herrn Ja ist Lilli Böwe beim Bezirksamt für Suchthilfekoordination und Suchtprävention zuständig. Ihr Hauptaufgabengebiet ist das Thema Drogen im öffentlichen Raum. Dabei geht es gleichermaßen um illegalen wie legalen Konsum und die damit verbundenen Konfliktpotenziale. Prinzipiell fällt zwar die Zuständigkeit für die Suchthilfe bei illegalen Drogen in den Bereich der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Doch dem Bezirk ist die brisante Lage vor Ort bewußt und so setzt er eigene finanzielle Mittel und Ressourcen ein.

Neukölln ist ein sehr großer und diverser Bezirk. Drogenproblematiken treten vor allem in Nord-Neukölln auf. Sie beinhalten das Trinken von Alkohol und den Konsum von illegalen Substanzen in Parks und auf Spielplätzen, auf der Straße und in Hausfluren. Damit einher gehen Rangeleien zwischen verschiedenen Akteuren, die sich zu Handgreiflichkeiten und Gewalttaten steigern können. Bei Anwohnerinnen und Anwohnern geben Spritzenfunde und der Aufenthalt von Süchtigen Grund zur Sorge.

Die Situation in der Weißen Siedlung und die Entwicklung im Bezirk

„Konkret“, sagt Lilli Böwe, „liegen uns über die Weiße Siedlung wenig Meldungen vor. Das heißt aber nicht, dass der Drogenkonsum nicht auch hier steigt und sichtbarer wird, sondern es liegt ganz einfach daran, dass die Weiße Siedlung großteils Privatgelände ist. Das erschwert uns das Monitoring. Wir sind daher darauf angewiesen, das Betroffene sich bei uns melden und auf uns zukommen. Und selbstverständlich bitten wir die Wohnungsbaugenossenschaften um Kooperation.“

Insgesamt ist es im Bezirk nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie zu einem vermehrten Aufkommen von Freilufttrinkern und dem verstärkten Konsum von Suchtmitteln im Freien gekommen. Alternative Orte, die zuvor als Treffpunkte dienen konnten, sind während der Lockdowns weggefallen. Kneipen, in denen ein Aufenthalt möglich war, mussten schließen. Im Neuköllner Druckraum „Druckausgleich“ , der den sicheren Konsum harter Drogen wie Heroin unter hygienischen Bedingungen ermöglicht, musste das Platzangebot aus Hygienegründen minimiert werden.

Probleme und ihre Wahrnehmung

„Corona hat aber nicht nur zu einer Zuspitzung der Problemlagen geführt, sondern auch zu mehr Diskurs und Problemwahrnehmung. Klar ist: Es gibt viele Menschen, um die man sich kümmern muss. Schwierigkeiten bereiten dabei immer wieder die Zuständigkeiten, die etwa zwischen Senat, Bezirksamt und privaten Akteuren aufgeteilt sind, und – natürlich – die Finanzierung.“

Spritzenfunde melden

Momentan geht es Lilli Böwe daher vor allem um eine aussagekräftige Bestandsaufnahme. Anwohnerinnen und Anwohner lädt sie dazu ein, durch ihr Wissen und ihre Beobachtungen dazu beizutragen. Spritzenfunde können beispielsweise über die Ordnungsamt-App gemeldet werden, aber auch bei ihr persönlich als Ansprechpartnerin.

„Zwar werden sich Drogenproblematiken auch auf längere Sicht nicht ganz lösen lassen“, sagt sie, „aber mit der neuen Landessuchtbeauftragten Heide Mutter gibt es viel neues Engagement und dadurch Erleichterungen für die beteiligten Akteure.“

Helfen im Netzwerk

Zu diesen Akteuren zählen vor allem die Kooperationspartner des „Netzwerks zum Umgang mit Drogen- und Alkoholkonsum und den Begleiterscheinungen im öffentlichen Raum“, NUDRA. Unter der Trägerschaft der Fixpunkt gGmbH laufen hier viele Fäden zusammen: Landes- und Bezirksämter, Polizei, Straßen und Grünflächenamt arbeiten gemeinsam daran, geeignete Maßnahmen zur frühzeitigen Erkennung und Verminderung von Konfliktpotentialen im Umgang mit Drogen- und Alkoholkonsum im öffentlichen Raum zu ergreifen. Das führt allerdings bisweilen auch zu Zuständigkeitsfragen, die geklärt werden müssen, was immer wieder Zeit braucht.

Allerdings läuft das NUDRA-Projekt aus. Dann übernimmt das Bezirksamt das Monitoring in Neukölln. Dafür setzt Lilli Böwe auf die aktive Ansprache von räumlich betroffenen Menschen und Akteuren. Ihr Wunsch ist es, dass etwa Spritzenfunde, Drogenkonsum und Hilfegesuche an sie gemeldet werden. Dafür können Privatpersonen sie direkt ansprechen oder zum Beispiel über das Quartiersmanagement ihre Sorgen und Beobachtungen weitergeben.

Von der Meldung bis zu Lösungsansätzen

Kommt es zu gehäuften Meldungen, über die sich problematische Gebiete identifizieren lassen, wendet sie sich an die zuständigen Wohnungsbaugenossenschaften. Diese kann sie unter anderem mit mobilen Spritzenabwurfbehältern ausstatten, mit denen gefundene Spritzen sicher entsorgt werden können. Und sie kann Teams der Straßensozialarbeit von Fixpunkt zum Einsatz bringen.

Deren Zielsetzung ist es, Menschen anzusprechen, auf Hilfsangebote, wie Konsumräume aufmerksam zu machen und natürlich auch für ihre Umgebung zu sensibilisieren,–. Schon seit längerem gibt es auch die Bemühungen, Heroinrauchen als weniger gefährliche Alternative zum Drücken zu etablieren. Hierdurch würden unter anderem die von gebrauchten Spritzen ausgehenden Gefahren minimiert.

Erste Ansätze und Wünsche für die Zukunft

Als eine gute erste Hilfestellung für alle, die in ihrem Wohnumfeld in Kontakt mit Menschen kommen, die Drogen konsumieren, empfiehlt Lilli Böwe die Broschüre „Umsicht! Vorsicht! Dann sticht es nicht“ von Fixpunkt, die Sie hier herunterladen können.

Wünschen würde sie sich mehr geschützte Orte für Suchterkrankt. Etwa ein Trinkcafé, wie es das in Spandau gibt. „Das wäre ein wichtiger Schritt, um Konfliktlagen zu entschärfen.“ Bis sich alle ihre Wünsche in die Tat umsetzen lassen, hat sie noch eine Menge an Arbeit zu erledigen. Wir werden sie nach Kräften unterstützen und wünschen ihr gutes Gelingen!

So erreichen Sie die Suchthilfekoordination und Lilli Böwe:

Lilli Böwe
Ges Plan 8 – Suchthilfekoordination
030 90239 2380
lilli.boewe[at]bezirksamt-neukoelln[.]de

Text: H. Heiland, Bild: Regina Friedrich